Bascule von Vitra: Ein Sessel wie eine Jacke
Eigentlich beginnt die Geschichte von Bascule nicht mit einem Sessel. Sondern mit einem Schal.
Als Anne-Sophie Oberkrome und Lisa Ertel vom Studio OE Nora Fehlbaum trafen, trug eine der beiden Designerinnen einen Schal. Aus diesem kleinen Detail entstand eine Idee: Was wäre, wenn man einen Sessel ähnlich denken würde wie ein Kleidungsstück?
Anders als bei vielen anderen Sesseln hat der Bascule von Vitra und Studio Œ keinen straff bezogenen und makellosen Bezug. Der Sessel ist weich, beweglich und wirft so selbstverständlich Falten wie eine Jacke, die man sich über die Schultern legt.
Ein Bezug, der sich bewegen darf
Für den Entwurf haben Oberkrome und Ertel Techniken aus der Mode in die Möbelwelt übertragen. Wie ein Kleidungsstück lässt sich auch der Bezug von Bascule an- und ausziehen.
Bascule ist französisch und bedeutet „Wippe“. Das erklärt sich ziemlich schnell, sobald man Platz nimmt.
Im Inneren arbeitet eine neu entwickelte Mechanik von Vitra. Von außen sieht man davon kaum etwas. Beim Zurücklehnen spürt man sofort: Ohne großen Kraftaufwand bewegt sich der Sessel mit dem Körper und lässt sich weit nach hinten neigen.
Das Material ist vollständig trennbar
Die Idee des An- und Ausziehens hat noch einen weiteren Effekt. Der Bezug ist abnehmbar, die Konstruktion kommt ohne verklebte Teile aus und die Materialien lassen sich voneinander trennen.
Beim Polster setzt Vitra zudem auf V-Foam, einen gemeinsam mit BASF entwickelten recycelbaren Polyurethanschaum. Was sich auseinandernehmen lässt, lässt sich einfacher reparieren, austauschen und am Ende auch wieder trennen.
Vom Schal zum Sessel
Einen neuen Lounge Chair für Vitra zu entwerfen, heißt auch, sich mit einer Ikone auseinanderzusetzen. Denn kaum ein Sessel ist so eng mit dem Namen Vitra verbunden wie der Eames Lounge Chair.
Charles und Ray Eames orientierten sich am klassischen englischen Clubsessel und übersetzten dessen Komfort in einen neuen Entwurf. Jahrzehnte später stehen die Designerinnen von Studio OE vor einer neuen Herausforderung: Wie sieht ein Lounge Chair aus, der zu unserer heutigen Vorstellung von Flexibilität passt?
Ihre Antwort finden Sie in der Mode. Der Schal vom Anfang steht damit für mehr als eine formale Inspiration: Material darf sich bewegen, Stoff darf Falten werfen und Komfort darf sichtbar sein.
Bascule versteckt nicht, was er ist. Und muss sich gerade deshalb nicht hinter einer Ikone verstecken.
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