Büro als Ort der Kommunikation

Das Büro gab es schon lange, bevor es zum ‚Ort‘ wurde. Es ist allen voran eine Aktivität, die durch die passende Umgebung gestützt werden muss. In den letzten Blogs haben wir uns mit der Historie des Büros auseinandergesetzt: Von der Antike bis in die 70er Jahre des 20. Jahrhunderts. Heute schlagen wir den Bogen in den Eintritt in ein neues Zeitalter: das Internet und seine Auswirkungen auf die Art und Weise, wie wir heute arbeiten. Denn diese Entwicklungen haben das moderne Büro geprägt  und zeigen, wie eng die Geschichte des Büros mit den Fortschritten in Technologie und Arbeitskultur verbunden ist.

Die 90er Jahre: Die Digitalisierung und ihre Auswirkungen

Die 90er Jahre markierten einen Wendepunkt in der Art und Weise, wie wir arbeiten. Mit dem Aufkommen des Internets und der zunehmenden Digitalisierung wurden tiefgreifende Veränderungen eingeleitet. Die erste Internetverbindung existiert tatsächlich bereits seit 1969 in den USA. Doch erst die Einführung des World Wide Web im Jahr 1993 revolutionierte die Art und Weise, wie Daten verarbeitet und Informationen ausgetauscht wurden. Der Computer trat seinen Siegeszug in die Büros an und ersetzte nach und nach die Schreibmaschine. Zu Beginn wurde jedoch noch nicht jeder Arbeitsplatz mit einem Personal Computer ausgestattet. Der Aufstieg von Google im Jahr 1998 beschleunigte diesen Prozess weiter.

Kurz vor der Jahrtausendwende kündigte sich eine tiefgreifende Veränderung der Bürowelt an. Der beginnende E-Mail-Verkehr ersetzte allmählich das Fax. Bereits 1996 kommt Outlook auf den Markt. Damit konnten auch die Angestellten eigene E-Mail-Adressen anlegen, um damit effizienter zu kommunizieren. Die Schnelligkeit der E-Mail war ein großer Vorteil gegenüber des Briefwegs. Auch beim Telefon bewegte sich etwas: Die Wahlscheibe wurde durch Tasten ersetzt und die ersten ‚mobilen‘ Telefone hielten Einzug in die Arbeitswelt. Die Entwicklung von Mobiltelefonen und die zunehmende Mobilität der Arbeitskräfte ermöglichten es den Menschen, von überall aus zu arbeiten und dennoch mit dem Büro verbunden zu bleiben.

Das Büro wird reversibel: Neue Ansätze in der Bürogestaltung

Zur gleichen Zeit änderte sich auch etwas in der Gestaltung der Büros. Der Trend zum „reversiblen Büro“ betonte die Flexibilität der Arbeitsumgebung, um verschiedenen Arbeitsweisen gerecht zu werden. Möglichst wenig Wände und viel Platz für Kommunikation, so lautete die Prämisse für die Innenarchitektur. Allerdings zeichnete sich dieser Ansatz durch den Gedankengang aus, dass ein und dasselbe Konzept als Universallösung für alle Büros gelten sollte. Die oberste Priorität war es, Räume für einen schnellen und effizienten Austausch zu schaffen.

Mobiles Arbeiten und Gesundheitsbewusstsein

In den 90er Jahren fällt der Begriff ‚Telearbeit‘ immer häufiger. Mit der Erfindung des Internets und der Verbreitung von Computern wird das Arbeiten von zu Hause aus enorm erleichtert. Trotzdem findet der Hauptteil der Arbeit nach wie vor in den dafür gestalteten Büros statt. Durch die Einführung neuer technologischer Mittel minimiert sich allerdings der Aufwand von einfachen und routinierten Aufgaben, da diese verstärkt digital und automatisch ablaufen.

Ein weiteres Ereignis beeinflusst die Gestaltung von Büros. 1990 wird von der EU eine Richtlinie zum Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz verabschiedet. In dieser wird die Größe der Arbeitsfläche sowie die Eigenschaften eines ergonomisch einstellbaren Bürodrehstuhls festgelegt. Die ergonomische Bürogestaltung hat endgültig Einzug gehalten. Von nun an gerät die Gesundheit der Angestellten mehr und mehr im Fokus.

Was ist heute in der Bürogestaltung wichtig?

Erinnern Sie sich noch an das Büro der 90er Jahre? Was hat sich seitdem verändert? Welche Schwerpunkte setzt die Bürogestaltung heute? Teilen Sie uns gerne Ihre Meinung mit!


Hier finden Sie alle Artikel zu unserer Reihe ‚Die Geschichte des Büros‘

Wie alles begann: Der Ursprung des Büros

Das Büro als Abbild der Gesellschaft: Industrialisierung und die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts

Das Action Office prägt das Image des Büros: die 70er Jahre und ihre Folgen

Das Büro als Ort der Gemeinschaft? Wir wissen, wie es geht. Zum Beispiel mit der Joyn 2 von Vitra. 



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Das Großraumbüro erobert das 20. Jahrhundert

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts entwickelt sich das Büro rasant weiter – durch die Weiterentwicklung der Kommunikationsmedien und die daraus resultierende Automatisierung ergeben sich neue Rahmenbedingungen für die ‚white collar work‘.

Großraumbüro der 60er Jahren in den USA – In Deutschland kommt der Trend erst später an

Rauchschwaden durchziehen die Büros der 70er Jahre

In den 70er Jahren bestand die Arbeitsweise vor allem aus Routineaufgaben. Noch wird alles händisch auf Papier eingetippt. Die Schreibtische sind voller Papierberge und Akten. Es gibt Ordner und Briefkörbe an jedem Arbeitsplatz, denn alles muss sorgfältig abgeheftet werden. Dabei ist der  Stauraumbedarf ist enorm. Der Mittelpunkt der Arbeitswelt ist die – häufig auch schon elektromechanische – Schreibmaschine. Als oberste Priorität gilt die körperliche Anwesenheit der Mitarbeitenden. Das Thema ‚Arbeiten von zu Hause aus‘ spielt also keine Rolle. Beim Abarbeiten der Aufgaben ist volle Konzentration gefragt. Eine weitere gesundheitliche Herausforderung: Rauchen ist am Arbeitsplatz erlaubt. Ebenso ist es nicht unüblich, Alkohol auf den Schreibtischen zu finden.

Ein weiteres Alltagsritual: Das Durchblättern dicker Telefonbücher, denn mittlerweile ist das Telefon das wichtigste Kommunikationsmedium. Für den internen Informationsfluss wird häufig noch auf Rohrpostanalgen zurückgegriffen. Dadurch mussten Mitarbeitende nicht das halbe
Bürogebäude durchqueren.

Rostrot, Senfgelb und Cognac: Das Büro der 70er ist bunt

In den 70er Jahren rückt das Design allerdings mehr und mehr in den Fokus. Möbel aus Holz und Bürostühle mit Rollen und Lederbezug finden sich verstärkt in den Arbeitswelten. Die Farbgestaltung orientiert sich an den Trends der 70er Jahre: Bunt gemusterte Teppiche, die Farben Rostrot, Cognac und Senfgelb sind angesagt. Für Tapeten, Decken und Böden wird häufig auf einen orangenen Farbton zurückgegriffen. In Einzelbüros verbreiten sich die Loungemöbel, die als bequeme Sitzmöglichkeiten während Besprechungen populärer werden.

Auch die Auseinandersetzung mit einer ergonomischen Büroausstattung nimmt – zumindest in der Chefetage – zu. Denn die Erkenntnis, dass sich Gesundheit und die Bedürfnisse der Arbeitnehmenden auf die Motivation und die daraus resultierende Produktivität hat, setzt sich durch. Ende der 70er Jahre gehört die Ausstattung von Bürodrehstühlen mit Synchronmechanik zur ersten benutzerfreundlichen Normausstattung. Auch das Stehpult wird bereits eingesetzt, da bekannt ist, dass dauerhaftes Sitzen krank macht.

Die Cubicles erobern das amerikanische Büro

Bereits in den 60ern verbreitete sich das aus den USA stammende Großraumbüro immer mehr auch in Deutschland. Anstatt Einzelbüro gehörte es nun zur Normalität, so viel Arbeitnehmende wie möglich in einen Raum zu quetschen. Meistens war es stickig, laut und es gab in der Raummitte kein Tageslicht. Durch die Erfindung des ‚Cubicle‘ sollte in diesen Räumlichkeiten mehr Privatsphäre hergestellt werden.

Die sogenannten Cubicle (dt.: Arbeitszellen) wurden 1967 von Robert Probst mit dem Namen ‚Action Office II‘ erfunden. Die Intention dahinter war, mehr visuelle und auditive Privatsphäre herzustellen. Dabei sollten die individuellen Bedürfnisse und Bewegung der Arbeitnehmenden im Fokus stehen. Aus heutiger Perspektive geht das allerdings nach hinten los. Letztlich steht die effiziente Nutzung der Bürofläche vor der effektiven Kommunikationsmöglichkeit der Mitarbeitenden.

Die Parzellierung von Großraumbüros prägt das Negativ-Image der klassischen Büroarbeit. Der Mensch wird zur Ameise im kapitalistischen System und scheint einfach ersetzbar. Zudem verstärkt sich die Hierarchisierung, da die Chef-Büros weiterhin bestehen bleiben. Der einzige Vorteil gegenüber den Schreibsälen der 20er Jahre ist, dass nicht mehr jeder Schritt von einem ‚Vorseher‘ beobachtet und dokumentiert werden kann.

In Deutschland setzt sich der Trend zum Großraumbüro allmählich durch. Durch architektonische Voraussetzungen (Flurstruktur, Einzelbüros) verbreitet es sich allerdings nie so stark wie in den USA.

Fazit: Die Erfindung des Cubicle prägt das Image der Büroarbeit

Die körperliche Arbeitsbelastung war aufgrund fehlender technischer Ausstattung in den Büros der 70er Jahre noch enorm, vor allem im Vergleich zu den heutigen Zeiten. Der Arbeitsstil der damaligen Zeit war sehr strukturiert und streng. Mit der Schreibmaschine waren die Arbeitsschritte und der damit einhergehende Arbeitsaufwand enorm hoch. Trotzdem setzten sich die ersten Bestrebungen, das Büro ‚gesundheitsfreundlicher‘ zu gestalten, durch. Jedoch setzte sich immer mehr ein Stilbewusstsein durch, das heute als ‚Retro‘-Design durchaus wiederkehrt. Dunkle Holztöne neben bunten Farben an den Wänden sind gern gesehene Stilelemente.

Fotos von steelcase


In den ersten beiden Beiträgen zur Geschichte des Büros gehen wir auf die Ursprünge und die Entwicklung im 19. und frühen 20. Jahrhundert ein.

Wie schaffen wir es, Arbeitswelten zu gestalten, in denen alle teilhaben können? Inklusives Design geht uns alle an. 



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Büro als Abbild unserer Gesellschaft

Im letzten Blog haben wir einen kleinen Blick auf die Ursprünge des Büros geworfen. Vom antiken Rom zur mittelalterlichen ‚Burra‘ sind wir am frühneuzeitlichen Kaufmannsschreibtisch stehengeblieben. Lange Zeit bleiben Arbeitsort und das zu Hause ein und derselbe Platz.

Die Verwaltungsarbeit nimmt im Zuge der Industrialisierung zu

Im 19. Jahrhundert etabliert sich die preußische Amtsstube. Denn neben der Industrialisierung und Massenfabrikation steigt auch der Bedarf nach Verwaltungsarbeit. Vor allem der preußische Verwaltungsapparat wird zum Vorbild für andere Staaten aber auch für Großunternehmen. Wegweisend für die bürokratischen Arbeit ist das Militär. Der Arbeitsalltag ist durch korrektes, diszipliniertes und zweckmäßiges Arbeiten geprägt. Schreibtische und Stühle sind nur für höherrangige Arbeitende vorbehalten. Die ‚gemeinen‘ Angestellten arbeitet an Stehpulten. Straffe Organisation und Struktur prägen den Arbeitsalltag. Unterlagen werden alphabetisch sortiert und eingeordnet. Es gibt bereits Karteikarten und Briefordner. Durch die Einführung von Gaslicht werden die Arbeitszeiten verlängert. Die unterschiedlichen Vorgänge (Rechnen, Schreiben, Kassieren, Ablegen,…) werden immer weiter spezialisiert und in unterschiedliche Räume abgetrennt. Erst um die Jahrhundertwende hält das Telefon und somit eine ganze neue Art der Kommunikationsform Einzug in die deutschen Büros.

Die Revolution der Schreibmaschine im American Office um 1900

1874 kam die erste serienmäßig hergestellte Schreibmaschine auf den amerikanischen Markt – (die ersten Käufer waren vor allem Stenographen, Telegrafisten oder Schriftsteller wie Mark Twain). Ab 1880 wurde sie auch im Büro eingesetzt und unterstützte dadurch das Wachstum der kapitalistisch geprägten Unternehmen. Damit einher ging die Hierarchisierung der Funktionen und die verstärkte Unterteilung in Sachgebiete. Häufig verrichteten die Mitarbeitenden jedoch Teilarbeiten, die von den Managern koordiniert und kontrolliert wurden. Die Sinn- und Zweckhaftigkeit der Arbeit blieb also im Dunkeln für einen Großteil der arbeitenden Bevölkerung.

Die Schreibmaschine bringt auch die Frauen und einen neuen Stil ins Büro. Bild aus der Daueraustellung zur Kulturgeschichte des Büros im Heinz Nixdorf Museum

Schnelligkeit und Fehlerfreiheit als Qualifikation

Die Schreibmaschine ermöglichte eine neue Form der Geschwindigkeit. Zudem konnten mit ihr auch im gleichen Arbeitsgang Durchschläge für die Ablage erstellt werden. Das Beherrschen der Schreibmaschine wurde zur neuen Qualifikation, was durch Wettbewerbe in Schnelligkeit und Fehlerfreiheit gefördert wurde. Allerdings war dieser Beruf auf die rein ausführende Tätigkeit reduziert und es gab kaum Möglichkeiten zum Aufstieg. Letztlich befanden sie sich am unteren Ende der Hierarchie. Eine weitere Veränderung war die Feminisierung des Office bei Routinetätigkeiten. Immer mehr Frauen eroberten die kaufmännischen Berufe.

Der Schreibsaal der 1920 Jahre: Büroarbeit wird ‚weiblich‘

Zwischen 1907 und 1925 verfünffacht sich der Anteil der Frauen unter den Angestellten: Die Einteilung in Abteilungen erweitert sich immer mehr, denn der allgemeine Verwaltungsaufwand steigt. Frauen aus der Mittelschicht, aber auch vermehrt aus Arbeiterfamilien gelingt der Statusaufstieg in den angesehen ‚Angestelltenstatus‘. Allerdings trügt der Schein: Es ist kein Weg in die Unabhängigkeit, da das Gehalt nicht für einen eigenen Hausstand reicht. Die Arbeit im Schreibsaal ist erschöpfend: es beeinträchtigt die Gesundheit enorm. Nervosität, Schwindel, Erschöpfung, Sehnenscheidenentzündungen und Schwerhörigkeit durch die enorme Lautstärke und den einseitigen Kraftakt beim Tippen gehören durchaus zum Alltag. Die Arbeit wird als Durchgangsstadium gesehen: bis der passende Ehemann gefunden wird. Eine seltene Aufstiegschance ist der Wechsel ins Chefsekretariat oder in die Vorzimmer der Abteilungsleiter. Film, Literatur und Werbung greifen diese neue Rolle der Frau auf.

1940er Jahren: Das Büro dient zur Verwaltung des Vernichtungskriegs

Die Schicksale der Soldaten werden akribisch verwaltet – die militärische Verwaltung regelt jeden einzelnen Schritt genau: auch das Anlegen von Gräbern. An der Heimatfront verändert sich der Arbeitsalltag auch zunehmend. Arbeitszeiten verlängern sich, es gibt kaum oder nur schlechte Büromaterialien, Verdunklungen und Bombenalarme gehören dazu. Neue Produkte sind Rettungskisten für den Abtransport der Schreibmaschine in den Luftschutzraum oder Karbidlampen für die Notbeleuchtung. Es sind wahrhaft dunkle Zeiten für das Büro.

1950er Jahre: Modernisierung durch Büromaschinen

Die Kultur und Ausstattung der Vorkriegszeit wird langsam vom Einzug von modernen Büromaschinen (Buchungsmaschinen, Diktiergeräte,…) und Massenartikeln (Hefter, Locher, Anspitzer,…) verdrängt. Der Einsatz von Maschinen verändert die Arbeitsweise enorm: die Rationalisierung ist auch im Büro angekommen. Die Optimierung der Arbeitsabläufe und der effektive und effiziente Einsatz der ‚Bürokraft‘ steht an oberster Stelle. Arbeitsschritte werden weiter zergliedert – ähnlich wie in der Produktion die Fließbandarbeit. Dabei werden eintönige Arbeiten meistens von Frauen verrichtet, während die leitenden Funktionen den Männern zufallen. Dem gegenüber stehen die Kleinbetriebe und das Handwerk, in der häufig noch die Ehefrauen des Geschäftsinhabers die Buchhaltung handschriftlich erledigen.

Fazit: Das Büro als Ort der Kontrolle von oben

Das Büro hat sich zu einem Arbeitsplatz der Rationalität entwickelt. Die Zergliederung in kleinteilige Aufgaben, die hierarchisch von oben kontrolliert und gemanagt werden müssen, steht weit weg vom heutigen ‚Purpose‘. Die ‚Sache‘ steht im Vordergrund, der Mensch als Maschine muss sie voranbringen. Doch in den nächsten Jahrzehnten wird die Raumumgebung eine größere Rolle spielen und auch der Gestaltung des Büros wird sich mehr und mehr zugewandt. Im nächsten Blog werden wir einen Blick auf die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts.


Doch wie sehen eigentlich die ersten Formen von ‚Büroarbeit‘ aus? Woher stammt der Name ‚Büro‘? Wieso ist eine Rückbesinnung zu den Ursprüngen eigentlich so wichtig. Mehr dazu erfahren Sie im ersten Teil unserer Geschichtsreihe.

Im Büro gehören Menschen in den Mittelpunkt. Sie sind aktive Schaffensräume, in denen Kultur entsteht. Wie das gelingt, erfahren Sie bei uns. 



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